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Lebensaufgabe Arbeit

Erschienen in 'Lichtblick' - Magazin für praktizierte Individualpsychologie, März 2004

1. Warum sich Manches ändern muss oder:
"Es sind die wachsenden Innenweltprobleme, die die Außenweltprobleme verursachen"

Als Beraterin und Moderatorin beobachte ich in den letzten Jahren eine starke Verunsicherung der Menschen am Arbeitsplatz: viele haben Angst um ihren Job; manche wirken desorientiert; manche zögern, Verantwortung zu übernehmen; viele tun sich schwer, den ihnen gestellten Herausforderungen unter den Zeichen des permanenten Wandels gerecht zu werden - es ist nicht leicht, die "Lebensaufgabe Arbeit" zu meistern.

Derzeit sind hohe gesamtwirtschaftliche Verluste zu verzeichnen durch Resignation und innere Kündigung, mit hohem Krankenstand und Produktivitätsverlust als Folge. Laut einer Studie der Gallup Unternehmensberatung Potsdam machen viele Beschäftigte "Dienst nach Vorschrift", nur ein geringer Teil der Arbeitnehmer ist engagiert bei der Arbeit und zufrieden mit seinem Job. Fehlendes Engagement und niedrige Produktivität haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft schwindet: Unternehmen sahen und sehen sich gezwungen, ihre Personalkosten zu überprüfen - das führt zu Kapazitätsabbau und Mehrarbeit. Zwar hält das in vielen Fällen die Betriebe rentabel, wird aber den Beschäftigten nicht immer so klar und glaubhaft vermittelt. Es gibt darüber hinaus auch einen Trend zur "Selbstausbeutung", da sich Mitarbeiter aus Angst vor Entlassung weit über das normale Maß hinaus engagieren. Trotz vieler Trainings und Beratungen und guter Management-Tools (wie z.B. Qualitätsmanagement) hapert es an der Qualifikation der Führungskräfte, diese auch konsequent anzuwenden, und somit am Dialog mit den Arbeitskräften. Werkzeuge gibt es zur Genüge, doch eine konsequente Anwendung erfolgt nicht, auch aus Angst vor Transparenz. Was wird dann trainiert und beraten, bzw. woran liegt es, dass diese Werkzeuge nicht benutzt werden?

Die Problematik der derzeitigen Rezession und Ressourcenschieflage steht und fällt nicht mehr damit, ob Menschen bestmögliche Maschinen (wie die Dampfmaschine oder den PC) erfinden und sie gut bedienen, sondern in der Art und Weise, wie Menschen kommunizieren und miteinander umgehen. Wir leben in einer Informationsgesellschaft, in der Menschen in der Lage sein müssen, komplexe Informationen zu handhaben und zu kommunizieren. Wo Mobbing das Klima bestimmt, innerbetriebliche Partisanenkämpfe das Handeln lähmen, die Mehrheit für den eigenen Status arbeitet, Synergien unterbleiben, weil Mitarbeiter ihr Herrschaftswissen für sich behalten - dort stagniert die Produktivität. Ca. 70 Prozent aller Fehler am Arbeitsplatz sind auf mangelhafte Kommunikation zurückzuführen.

Unternehmen durchlaufen Umstrukturierungen, Mitarbeiter sollen projektbezogen in Teams zusammenarbeiten - doch wer in der alten Industriegesellschaft groß geworden ist, hat nicht gelernt, auf derselben Augenhöhe partnerschaftlich zusammenzuarbeiten. Die Menschen sind im Moment noch schlecht darauf vorbereitet, gleichberechtigt zusammenzuarbeiten, anstatt um Hackordnungen und für ihre Stellung im Team zu kämpfen: Weil Menschen häufig nicht gut zusammenarbeiten und kommunizieren, vermisst ungefähr die Hälfte aller Manager konkrete Ergebnisse, Systematik und eine klare Zieldefinition.

Unternehmensführung wird zukünftig bedeuten, die Mitarbeiter zu einer Betriebsgemeinschaft zu machen, in der es niemand zulässt, dass jemand von einem Dritten geschädigt wird - zum Schaden der Firma und des gesamten Klimas. Führung heißt, den Informationsfluss zu moderieren, Sinn zu stiften, Neugier und Fantasie, Ziele und Visionen für die Gruppe zu vitalisieren, die Menschen zu motivieren und nicht konsensfähige Fälle zu entscheiden. Aber wie mit Mitarbeitern umgehen, denen es an Teamfähigkeit, Eigenverantwortung, Engagement, Fairness und Optimismus mangelt?

Wo partnerschaftlich zusammengearbeitet und geführt werden soll, braucht es im Gegenzug auch mündige Mitarbeiter, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Können die Kollegen Kritik zulassen, mit Kritik umgehen, können sie kritisieren, ohne zu verletzen, können sie zuhören, loben und ermutigen? Können sie Fehler zugeben, ohne mit dem Recht des Stärkeren zu reagieren?

2. Ansatzmöglichkeiten zur Lösung
Wirtschaftlich erfolgreich werden langfristig nur die Firmen und Regionen sein, in denen Menschen auch dann fair zusammenarbeiten und sich gegenseitig fördern, wenn sie unterschiedliche Vorstellungen oder Werte haben oder wenn sie sogar durch Vergangenes belastet sind. (Frankl: der Mensch findet keinen Sinn in sich selber, der ihn zum Leben motiviert, sondern nur außerhalb seiner selbst in Aufgaben und Personen). In einer Informationsgesellschaft entscheiden die Wertvorstellungen über den Wohlstand: Kapital, Wissen, Maschinen kann sich weltweit jeder zu denselben Bedingungen besorgen. Der entscheidende Standortfaktor wird die Fähigkeit, produktiv mit Wissen umzugehen - und das ist nicht nur eine kognitive, sondern eine soziale Fähigkeit. Der Informationsfluss zwischen Menschen entscheidet den Zeit- und Qualitätswettbewerb, letztlich über den Wohlstand. Es besteht die Notwendigkeit, unabhängig von der hierarchischen Ebene sachbezogen in derselben Augenhöhe zusammenzuarbeiten. Teamarbeit - mit den Fähigkeiten kritisch mitzudenken, konstruktive Vorschläge einzubringen, sich in den Gesamtprozess einzufügen - ist ein Paradigmenwechsel, der begleitet werden muss durch entsprechende Erziehungs-, Bildungs- und Beratungsmaßnahmen. Wenn sich Menschen dahingehend entwickeln, dass sie die Balance finden zwischen den eigenen und den fremden berechtigten Interessen und ein echtes Interesse am gleichberechtigten Wohlergehen des anderen haben, wäre das ein tolles Ergebnis. Mit Beratung und Trainings, die den Blickwinkel wegleiten von dem, was einem fehlt und wo man versagt, hin zu dem, was man hat und kann. Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs, und folgende Faktoren werden Grundvoraussetzungen für wirtschaftlichen Erfolg und gesellschaftliche Stabilität sein:

2.a. Kooperatives Miteinander im Team
Um ihren Arbeitsplatz erfolgreich und gewinnbringend gestalten zu können, brauchen Menschen über die Fachkompetenz hinaus heute umfangreiche soziale Kompetenzen: komplexe Informationen handhaben, sich kooperativ in (Projekt)Teams bewegen, klar kommunizieren, zuhören, respektvoll miteinander umgehen, beraten.

2.b. Gleichwertiger Umgang in hierarchischen Strukturen
In Zeiten starker Veränderung ist es wichtig, Mitarbeiter zu informieren und einzubinden, damit sie nicht verunsichert sind und die Veränderungen mittragen. In der Praxis informieren viele Führungskräfte jedoch nicht konsequent genug bzw. beziehen ihre Mitarbeiter nicht in ihre Überlegungen und Entscheidungen ein. Darüber hinaus machen sprunghafte oder nicht nachvollziehbare Entscheidungen von Anteilseignern es vielen Führungskräften schwer, ihren Mitarbeitern Orientierung zu geben oder langfristig verbindliche Entscheidungen zu fällen. Hilfreich für gutes, effektives Führen ist es außerdem, wenn Führungskräfte stabile Mitarbeiter haben, die wissen, wie sie sich und ihre Stärken einbringen können. Mitarbeiter brauchen Chefs, die ihnen Rahmenbedingungen für gutes Arbeiten schaffen, sie als gleichwertige Menschen wahrnehmen, sie ermutigen und fördern, die interne und externe Kommunikation sicherstellen, Meinungsverschiedenheiten und Konflikte behandeln.

2.c. Mut, Selbstsicherheit und Fähigkeit zur Selbststeuerung
Menschen müssen sich daran gewöhnen, dass "Arbeitsplätze nicht mehr heilig sind": kaum ein Arbeitsplatz ist noch sicher. Gekündigten bzw. arbeitslosen Arbeitnehmern fehlen Mut, Erfahrung und Kompetenz, selbständig / freiberuflich zu agieren, sich zu vernetzen und sich in der heutigen Marktlage zu bewegen.

2.d. Familienqualität
Das Gefüge der Großfamilie, das Stabilität und Werte vermittelte, existiert in unserer Gesellschaft nicht mehr; Kleinfamilien und Ehen sind häufig instabil, die Scheidungsrate ist hoch. Eltern fällt es schwer, ihren Kindern Orientierung zu geben, die Fähigkeit, das Zusammenleben in einer Gemeinschaft zu gestalten, sich selbstsicher und zu einer solchen Gemeinschaft zugehörig zu fühlen und dazu beizutragen, wird immer seltener vorgelebt und trainiert. Kindergarten- und Schulkinder zeigen zunehmend Sprachstörungen, Verhaltensauffälligkeiten und mangelnde soziale Kompetenzen. Zum einen sind dadurch Eltern, Erzieher, Lehrer, Psychologen, Logopäden, Ergotherapeuten entsprechend herausgefordert und können durch Fortbildung unterstützt werden, zum anderen ist der Effekt dieser Entwicklungen im Arbeitsleben zu spüren, der durch Beratung, Coaching und Training ausgeglichen werden soll.

3. Grundlagen für Beratung und Training:
Individualpsychologie und Ermutigungspädagogik

Die Individualpsychologie bietet in dieser gesellschaftlich schwierigen Situation gute Denkanstöße und Instrumente. Meine Arbeit beruht auf den Erkenntnissen und Grundlagen der Individualpsychologie, wie sie Alfred Adler begründet und Rudolf Dreikurs weiterentwickelt hat. Als Encouraging-Trainerin und individualpsychologische Beraterin stehe ich damit auf dem Boden einer tradierten psychologischen Richtung. Ihr Menschenbild stellt die Basis für meine Arbeit dar. Dieses Menschenbild wird von folgenden Aspekten geprägt:

In diesen Grundannahmen liegt auch der Anknüpfungspunkt und die Chance zur Weiterentwicklung für jeden Menschen zu jeder Zeit - und die Möglichkeit durch Trainings und persönliche Beratung Änderungen herbeizuführen.

Die individualpsychologischen Grundannahmen fließen in die Ermutigungspädagogik ein, mit deren Hilfe Menschen sich zu selbstbewussten, aufgeschlossenen und konstruktiven Mitgliedern der Gesellschaft entwickeln können.

4. Von der Entmutigung zur Ermutigung

Um kooperationsfördernde Qualitäten von Mitarbeitern zu fördern, ist es hilfreich, den Weg "vom ich zum du" zu unterstützen, um von der Fehler- zur Lösungsorientierung zu kommen. Es ist für jeden Menschen hilfreich, die Kreisläufe und Wechselwirkungen von Ent- und Ermutigung zu kennen, um selbst Gestalter seines Alltags sein zu können.

Zwischen "Lob" und "Ermutigung" gibt es einen entscheidenden Unterschied:
Lob hebt eine Leistung, die Person oder ein besonderes Merkmal hervor. Lob macht "süchtig". Es bezieht sich auf den Erfolg. Kinder, die mit Lob aufwachsen, neigen dazu, ihr Selbstwertgefühl von der Wertschätzung anderer abhängig zu machen.

Entmutigung ist immer Selbst-Entmutigung und erfolgt im Kreislauf mit Wechselwirkungen. Selbst-Entmutigung praktizieren Menschen, die von sich selbst die Meinung haben: "ich kann nicht" und für diese Meinung Bestätigung suchen. Entmutigung führt immer zu Distanz zu anderen Menschen, sie hat zum Effekt, dass entmutigte Menschen aus sozialen Bindungen und deren Geborgenheit herausfallen. Sie ist Folge des Verlustes des Zugehörigkeitsgefühls.

Der Entmutigungskreislauf
Ein Herausgehobensein hingegen führt zu Angst und schürt die Erwartung, dass man versagen könnte. Je intensiver ein Mensch sich auf diese Versagenshaltung konzentriert, umso mehr zieht er sich zurück, geht weniger Risiken ein, verliert seine Kreativität, traut sich immer weniger zu (es entsteht ein Kreislauf der sich selbst erfüllenden Prophezeiung). Das führt zu einer verstärkten Fehlerquote, die Sicherungstendenzen nehmen zu - der Mensch konzentriert sich schließlich nur noch darauf, Fehler zu vermeiden und erhält entsprechend negative Reaktionen aus seiner Umgebung - und somit erhält er die Selbstbestätigung der negativen Meinung über sich selbst. Wer nichts mehr wagt, sich zurückzieht, um noch mehr negative Reaktionen seiner Umwelt zu vermeiden, sorgt für entsprechend angespannte Stimmung.

Entmutigung und die Folgen am Arbeitsplatz
Leistung ist immer gekoppelt mit Werten und Wertvorstellungen - ein vermindertes Selbstwertgefühl oder gar ein Gefühl der Wertlosigkeit hat fatale Folgen für die Selbsteinschätzung und Selbstbestätigung, was sich wiederum darauf auswirkt, wie sich ein Mitarbeiter am Arbeitsplatz einbringt.

Entmutigte Menschen entwickeln am Arbeitsplatz unterschiedliche Verhaltensmuster, mit denen sie auf Anforderungen reagieren:

4.1. Ausreden (um bestimmten Anforderungen auszuweichen, z.B. an sozialen Aktivitäten wie Betriebsausflug nicht beteiligen)

4.2. Machtkampf (z.B. Mobbing, führt immer zum Verlust der Arbeit und zu Krankheit)

>4.3. Rache (führt ebenfalls zum Verlust des Arbeitsplatzes)

4.4. Rückzug (= innere Kündigung)

Sie betreiben "Dienst nach Vorschrift", engagieren sich auf dem Level, das gerade ausreicht, den Arbeitsplatz zu halten, praktizieren eine "Egalhaltung".

Im Entmutigungskreislauf liegt der Fokus auf dem Vermeiden von Fehlern

Ermutigung anerkennt die Person, ihre Qualitäten, ihre Talente und Verhaltensweisen. Ermutigung brauchen wir, wenn wir nicht so erfolgreich waren. Ermutigung bezieht sich, im Gegensatz zu Lob, auf die Anstrengung. Ermutigte Mitarbeiter identifizieren sich mit ihrer Arbeit, ihrer Firma, ihrer Abteilung, ihrer Führungskraft, und agieren entsprechend: sie bringen Ideen und Fähigkeiten ein und wollen zum Gelingen beitragen.

Der Ermutigungskreislauf
Werden Menschen ermutigt, stärkt das ihr Zugehörigkeitsgefühl. Ermutigte Menschen suchen Kontakt, trauen sich und anderen etwas zu, entwickeln Ideen und fragen: "Was kann ich tun?" Sie sind hilfsbereit, bewegen sich auf andere zu, das steigert wiederum ihren Mut. (Alfred Adler: "Leben heißt überwinden.")

Menschen können nur Selbstwertgefühl entwickeln, wenn sie den Mut haben, zu etwas Sinnvollem beizutragen. Das können sie nur, wenn sie wissen, was sie zu bieten haben, worauf sie positives Feedback und Anerkennung bekommen. Diese Anerkennung wiederum macht Mut, bestätigt die eigene Haltung.

Dies ist eine gute Grundlage für das Entwickeln von Wissen und Fähigkeiten - trotz vorhandener Ängste, da man aus Fehlern lernen kann (woraus soll man sonst lernen?). Das führt zu einer ermutigenden Haltung.

5. Verbesserung der Arbeitsbedingungen durch Encouraging, Beratung und Coaching

Beratung, Therapie oder Training können einen Menschen nicht ändern. Aber sie können helfen, die Hindernisse zu beseitigen, die Menschen daran hindern, Zwänge, Süchte und Ängste wahrzunehmen; sogar Selbsthass aufzulösen. Sie können die Fähigkeit stärken, sich selbst zu steuern, ebenso Niederlagen und Demütigungen zu verkraften. Selbstachtung, ein intaktes soziales Umfeld, ein gesundes Verhältnis zum Körper sind die Träger seelischer Gesundheit - das bedeutet Geborgenheit, Vertrauen, Liebe, Nächstenliebe. Das sind die Grundvoraussetzungen für eine Gesellschaft, in der keine Ressourcen verschwendet werden durch destruktive Streitereien, Statuskämpfe, Wichtigtuerei, fehlende soziale Kompetenz.

5.a. Das Encouraging-Konzept
Das Encouraging-Training wurde von Theo Schoenaker konzipiert. Der Begriff Encouraging steht für ein individualpsychologisches Konzept zur optimistischen Lebensgestaltung, dessen wichtigster Träger die Ermutigung ist. Ermutigung hilft, die privaten wie beruflichen Lebensaufgaben zufriedenstellender und erfolgreicher zu bewältigen und die Selbstsicherheit zu entwickeln, die immer auch das Wohl des anderen im Auge behält. Ermutigung ist erlernbar und jederzeit praktizierbar.

In einer ausgewogenen Mischung von Theorie und Praxis werden die Grundideen der Individualpsychologie bzw. der Ermutigungspädagogik in den Trainings vorgestellt (siehe Grundannahmen unter Punkt 3.) und sodann in Übungen verarbeitet. Die Teilnehmer beantworten beispielsweise Fragen wie: "Was finde ich gut an mir als Mitarbeiter / Kollege / Chef / Projektleiter... ?" "Was finde ich gut an meiner Arbeitssituation?" "Was schätze ich an meinem Team / meinen Kollegen...?" "Was kann ich tun, um meine Mitarbeiter / meine direkten Vorgesetzten ... zu ermutigen?" Darüber hinaus üben sie zwischen den einzelnen Gesprächs- bzw. Trainingseinheiten, weitere Antworten zu derartigen Fragestellungen zu finden und besprochene Instrumente im Alttag anzuwenden, wie beispielsweise freundlich auf eine Person zu schauen, die man selbst als schwierig erlebt, das Gute an einer problematischen Situation zu erkennen, Stärken und Fähigkeiten bei sich und anderen zu erkennen, aktives Zuhören zu üben, usw. Zu Beginn der jeweils nächsten Einheit berichten die Teilnehmer mündlich und schriftlich über die Erfahrungen, die sie dabei gemacht haben.

Die veränderte Sichtweise und das Handwerkszeug der Ermutigung helfen, sich in Zukunft für andere Denk- und Verhaltensweisen zu entscheiden. Der nachhaltige Effekt des Encouraging-Trainings entsteht durch die regelmäßige Beschäftigung mit den Themen über einen längeren Zeitraum, und das bewusste Üben von Verhaltensweisen. Dadurch entsteht im Laufe der Zeit eine andere Grundhaltung und ein positiveres Menschenbild, das die Erweiterung des eigenen Verhaltensrepertoires möglich macht.

5.b. "Trainings für kooperatives Miteinander am Arbeitsplatz"
Was Zusammenarbeit stört, kennen die Menschen zur Genüge aus dem Alltag: Sie fühlen sich von Ihrem Chef nicht unterstützt, die Kollegen haben schlechte Laune, die Projektgruppe hat wichtige Informationen nicht weitergegeben. Die Führungskraft ist ständig mit Veränderungen, Überraschungen und Konflikten konfrontiert und gerät an ihre Grenze. Leistungsdruck erschwert das partnerschaftliche Zusammenarbeiten zum Schaden für den Unternehmenserfolg. Für anderes als Sachthemen bleibt oft keine Zeit.

Wie Zusammenarbeit leichter funktioniert, ist Thema der Trainings. Ich biete Teilnehmern als Team, Führungskraft oder Mitarbeiter Methoden an, mit denen sie solchen Herausforderungen erfolgreich begegnen und sich von Fehlern und Misserfolgen nicht entmutigen zu lassen. Denn ausschlaggebend dafür, wie erfolgreich Menschen zusammenarbeiten, ist ihre Kooperationsfähigkeit und ihre Selbstkenntnis.

Im Laufe eines Trainings erweitern die Menschen ihre Selbstkenntnis und lernen systematisch, ihre Arbeitsbedingungen mit ihren Stärken und Fähigkeiten motivierend zu gestalten. Sie entfalten ihren Mut, Veränderungen anzustoßen und mitzutragen. Sie werden sicherer, wenn es darum geht, im Team "die Intelligenz des Systems" zu nutzen, und als gleichwertige Partner im Konsens Entscheidungen zu treffen.

Der Unterschied zwischen ent- und ermutigenden Verhaltensweisen wird deutlich, und die Teilnehmer verstehen, was Sie persönlich zur Stärkung des Zusammenhörigkeitsgefühls im Team beitragen können, wie sie Stress und Überforderung vermeiden, wie sie die Kommunikation im Team optimieren. Ausgehend von einer Haltung der Selbstakzeptanz und des Respekts entdecken sie neue Möglichkeiten, das Miteinander im Alltag kooperativ und befriedigend zu gestalten.

Die Teilnehmer trainieren, für ein gutes Betriebsklima zu sorgen, ziel- und lösungsorientiert zu agieren, Handlungsmuster zu erkennen und Handlungsspielräume zu erweitern. Wie im Encouraging-Basis-Training auch, erhalten die Teilnehmer konkrete Aufgaben und üben Verhaltensweisen im Arbeitsalltag, so dass ein nachhaltiger Transfer gewährleistet ist. Mehr Zufriedenheit, Kooperationsfähigkeit und unternehmerischer Erfolg sind das Ergebnis.

5.c. Beratung und Coaching
In manchen Fällen ist es notwendig, Menschen in Veränderungsprozessen intensiver zu begleiten, da man in Einzelgesprächen die individuellen Herausforderungen und eventuellen Wissenslücken angemessener behandeln kann. Das gilt insbesondere für Führungskräfte, die im Alltag schnell "fremdgesteuert" und überfordert sind, sei es, weil ihnen Wissen über sich selbst fehlt, sei es, weil sie beispielsweise

Mit den Instrumenten der individualpsychologischen Beratung unterstütze ich Führungskräfte oder Mitarbeiter, zu verstehen, warum Sie so sind, wie Sie sind, Außer bei Schwierigkeiten am Arbeitsplatz hilft die persönliche Beratung In vertrauensvoller Atmosphäre wird das Problem herausgearbeitet. Gemeinsam werden Lösungsmöglichkeiten entwickelt und Perspektiven aufgezeigt. Praktische Verhaltensänderungen werden ausprobiert und eingeübt. Die Klienten erhalten Handwerkszeug, um ihre latenten (und ihnen oft selber unbekannten) Fähigkeiten zum Einsatz zu bringen.

So können die Probleme auch über die Beratungsphase hinaus dauerhaft überwunden und ein neues Lebensgefühl und verbesserte Beziehungsqualitäten gewonnen werden.

6. Was vor Beginn von Maßnahmen geklärt werden sollte

Meine persönliche Erfahrung ist, dass
6.1. Trainings und Beratung nur Sinn machen, wenn die Betroffenen wirklich etwas verändern wollen. Es sollte in jedem Fall vorher geklärt werden, dass

6.2. eine qualitativ gute und effektive Begleitung möglich ist, wenn der/die BeraterIn ein klares Selbstverständnis hat, über umfassende Selbstkenntnis verfügt, ein fundiertes theoretisches Hintergrundwissen hat, Berufs- und Lebenserfahrung hat (also die Arbeitswelt aus der Praxis kennt);

6.3. professionelle Trainings und Beratung auf der Basis von Encouraging und Individualpsychologie nachhaltige Veränderung bewirken und Kompetenzen vermitteln, die für die Bewältigung der "Lebensaufgabe Arbeit" nützlich und hilfreich sind und Impulse für eine gesellschaftliche Entwicklung hin zu kooperativem Miteinander geben.

7. Fazit
Verhalten und Einstellungen erweitern wir Menschen nur, wenn wir Einsichten und Erkenntnisse haben, etwas Neues erfahren. Nachhaltige Veränderung tritt nur ein durch wiederholtes Üben und Reflektieren. Zur Förderung kooperativer und kommunikativer Fähigkeiten bietet die Individualpsychologie hilfreiche Instrumente, die es Menschen ermöglichen, die "Lebensaufgabe Arbeit" befriedigend für sich und die Gemeinschaft zu lösen. Sie sind das Beste, was ich bisher gefunden habe.